„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land …“sind die ersten Worte der ersten Strophe des Rennsteigliedes, das Mitte – Ende der 50 er Jahre vom in ganz Thüringen legendären Herbert Roth im Duett mit seiner Partnerin Waltraud Schulz bekannt gemacht wurde. In der gesamten DDR und speziell in Thüringen war dieses Lied ein ausgesprochener Gassenhauer. Die Thüringer sprechen noch heute von der „heimlichen Nationalhymne Thüringens“. In diesem Lied wird der Thüringer Wald und seine Schönheit besungen und die Verbundenheit der Interpreten mit der Heimat und dem Wandern zum Ausdruck gebracht. Das Lied ist jedem Thüringer auch in den heutigen Tagen noch bekannt.

Der Rennsteig ist ein Wanderweg, der den Thüringer Wald in seinen Kammlagen durchzieht und führt durch eine überaus reizvolle Landschaft. Mehr als 170 km verläuft er vom Frankenland aus durch fast den gesamten Thüringer Wald. Doktor Faustus (wir sprechen hier nicht von Goethes Faust) lässt durch seinen Autoren Thomas Mann ausrichten, wie sehr er von der Romantik des Rennsteiges angerührt ist. Als Deutschland noch in zwei Teile gespalten war, konnte man ihn allerdings nicht durchgehend passieren, da die Grenze mehrmals seinen Verlauf schnitt.

Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts entdeckte der Deutsche Wanderverband den Rennsteig für sein Programm und erhob ihn in den Status eines ausgezeichneten Qualitätswanderweges. Der Rennsteig gleichsam als Kamm des Gebirges ist auch eine Wasserscheide der Flusssysteme Elbe/Saale, Weser/Werra sowie Rhein/Main. Gleichzeitig ist er eine Sprachgrenze zwischen den thüringischen Dialekten und den ostfränkischen Dialekten.

Der Rennsteig wird traditionell in 6 Etappen erwandert. Die erste Etappe führt von Hörschel zum Großen Inselsberg, dann nach Oberhof, weiter nach Kahlert, nach Limbach, dann nach Steinbach bis man schließlich das Ziel in Blankenstein erreicht. Pro Etappe sind das etwa 30 km und wer das in einer Woche erwandern will, muss schon fit und gesund sein. Da kommen am Tag schon 6 Wanderstunden zusammen und Pausen sind natürlich auch nötig. Leichte Bekleidung und gutes Schuhwerk sind die Grundausstattung und ein Regenumhang sollte auf gar keinen Fall fehlen. Rucksack und Klampfe sollten nach den Empfehlungen des Rennsteigliedes auch am Mann sein. Natürlich muss ausreichend Proviant mitgeführt werden, auch wenn in heutigen Zeiten in unweit des Weges gelegene Gasthäuser eingekehrt werden kann. Das ist allerdings schon etwas ehrenrührig für einen zünftigen Wanderer. Wenn man dann unterwegs den traditionellen Gruß „Gut Runst“ vernimm, weiß man, dass man einem solchen begegnet ist. Dieser Gruß hat seit über 100 Jahren am Rennsteig Tradition.